Bibel in einem Jahr (optional)
Gott kennenlernen · Band 1
Sprüche 7–9
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Sprüche 7
1Mein Kind, behalte meine Rede und verbirg meine Gebote bei dir.
2Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und mein Gesetz wie deinen Augapfel.
3Binde sie an deine Finger; schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.
4Sprich zur Weisheit: “Du bist meine Schwester”, und nenne die Klugheit deine Freundin,
5daß du behütet werdest vor dem fremden Weibe, vor einer andern, die glatte Worte gibt.
6Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter
7und sah unter den Unverständigen und ward gewahr unter den Kindern eines törichten Jünglings,
8der ging auf der Gasse an einer Ecke und trat daher auf dem Wege bei ihrem Hause,
9in der Dämmerung, am Abend des Tages, da es Nacht ward und dunkel war.
10Und siehe, da begegnete ihm ein Weib im Hurenschmuck, listig,
11wild und unbändig, daß ihr Füße in ihrem Hause nicht bleiben können.
12Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse, und lauert an allen Ecken.
13Und erwischte ihn und küßte ihn unverschämt und sprach zu ihm:
14Ich habe Dankopfer für mich heute bezahlt für meine Gelübde.
15Darum bin herausgegangen, dir zu begegnen, dein Angesicht zu suchen, und habe dich gefunden.
16Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Ägypten.
17Ich habe mein Lager mit Myrrhe, Aloe und Zimt besprengt.
18Komm, laß und buhlen bis an den Morgen und laß und der Liebe pflegen.
19Denn der Mann ist nicht daheim; er ist einen fernen Weg gezogen.
20Er hat den Geldsack mit sich genommen; er wird erst aufs Fest wieder heimkommen.
21Sie überredete ihn mit vielen Worten und gewann ihn mit ihrem glatten Munde.
22Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Ochse zur Fleischbank geführt wird, und wie zur Fessel, womit man die Narren züchtigt,
23bis sie ihm mit dem Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zum Strick eilt und weiß nicht, daß es ihm sein Leben gilt.
24So gehorchet mir nun, meine Kinder, und merket auf die Rede meines Mundes.
25Laß dein Herz nicht weichen auf ihren Weg und laß dich nicht verführen auf ihrer Bahn.
26Denn sie hat viele verwundet und gefällt, und sind allerlei Mächtige von ihr erwürgt.
27Ihr Haus sind Wege zum Grab, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.
Sprüche 8
1Ruft nicht die Weisheit, und die Klugheit läßt sich hören?
2Öffentlich am Wege und an der Straße steht sie.
3An den Toren bei der Stadt, da man zur Tür eingeht, schreit sie:
4O ihr Männer, ich schreie zu euch und rufe den Leuten.
5Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit und, ihr Toren, nehmt es zu Herzen!
6Höret, denn ich will reden, was fürstlich ist, und lehren, was recht ist.
7Denn mein Mund soll die Wahrheit reden, und meine Lippen sollen hassen, was gottlos ist.
8Alle Reden meines Mundes sind gerecht; es ist nichts Verkehrtes noch falsches darin.
9Sie sind alle gerade denen, die sie verstehen, und richtig denen, die es annehmen wollen.
10Nehmet an meine Zucht lieber denn Silber, und die Lehre achtet höher denn köstliches Gold.
11Denn Weisheit ist besser als Perlen; und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.
12Ich, Weisheit, wohne bei der Klugheit und weiß guten Rat zu geben.
13Die Furcht des HERRN haßt das Arge, die Hoffart, den Hochmut und bösen Weg; und ich bin feind dem verkehrten Mund.
14Mein ist beides, Rat und Tat; ich habe Verstand und Macht.
15Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.
16Durch mich herrschen die Fürsten und alle Regenten auf Erden.
17Ich liebe, die mich lieben; und die mich frühe suchen, finden mich.
18Reichtum und Ehre ist bei mir, währendes Gut und Gerechtigkeit.
19Meine Frucht ist besser denn Gold und feines Gold und mein Ertrag besser denn auserlesenes Silber.
20Ich wandle auf dem rechten Wege, auf der Straße des Rechts,
21daß ich wohl versorge, die mich lieben, und ihre Schätze vollmache.
22Der HERR hat mich gehabt im Anfang seiner Wege; ehe er etwas schuf, war ich da.
23Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang, vor der Erde.
24Da die Tiefen noch nicht waren, da war ich schon geboren, da die Brunnen noch nicht mit Wasser quollen.
25Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln war ich geboren,
26da er die Erde noch nicht gemacht hatte und was darauf ist, noch die Berge des Erdbodens.
27Da er die Himmel bereitete, war ich daselbst, da er die Tiefe mit seinem Ziel faßte.
28Da er die Wolken droben festete, da er festigte die Brunnen der Tiefe,
29da er dem Meer das Ziel setzte und den Wassern, daß sie nicht überschreiten seinen Befehl, da er den Grund der Erde legte:
30da war ich der Werkmeister bei ihm und hatte meine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit
31und spielte auf seinem Erdboden, und meine Lust ist bei den Menschenkindern.
32So gehorchet mir nun, meine Kinder. Wohl denen, die meine Wege halten!
33Höret die Zucht und werdet weise und lasset sie nicht fahren.
34Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, daß er wache an meiner Tür täglich, daß er warte an den Pfosten meiner Tür.
35Wer mich findet, der findet das Leben und wird Wohlgefallen vom HERRN erlangen.
36Wer aber an mir sündigt, der verletzt seine Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.
Sprüche 9
1Die Weisheit baute ihr Haus und hieb sieben Säulen,
2schlachtete ihr Vieh und trug ihren Wein auf und bereitete ihren Tisch
3und sandte ihre Dirnen aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:
4“Wer verständig ist, der mache sich hierher!”, und zum Narren sprach sie:
5“Kommet, zehret von meinem Brot und trinket den Wein, den ich schenke;
6verlaßt das unverständige Wesen, so werdet ihr leben, und gehet auf dem Wege der Klugheit.”
7Wer den Spötter züchtigt, der muß Schande auf sich nehmen; und wer den Gottlosen straft, der muß gehöhnt werden.
8Strafe den Spötter nicht, er haßt dich; strafe den Weisen, der wird dich lieben.
9Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.
10Der Weisheit Anfang ist des HERRN Furcht, und den Heiligen erkennen ist Verstand.
11Denn durch mich werden deiner Tage viel werden und werden dir der Jahre des Lebens mehr werden.
12Bist du weise, so bist du dir weise; bist du ein Spötter, so wirst du es allein tragen.
13Es ist aber ein törichtes, wildes Weib, voll Schwätzens, und weiß nichts;
14die sitzt in der Tür ihres Hauses auf dem Stuhl, oben in der Stadt,
15zu laden alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:
16“Wer unverständig ist, der mache sich hierher!”, und zum Narren spricht sie:
17“Die gestohlenen Wasser sind süß, und das verborgene Brot schmeckt wohl.”
18Er weiß aber nicht, daß daselbst Tote sind und ihre Gäste in der tiefen Grube.
Übersetzung: Lutherbibel 1912