Bibel in einem Jahr (optional)
Gott kennenlernen · Band 1
Hiob 8–11
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Hiob 8
1Da antwortete Bildad von Suah und sprach:
2Wie lange willst du solches reden und sollen die Reden deines Mundes so einen stolzen Mut haben?
3Meinst du, daß Gott unrecht richte oder der Allmächtige das Recht verkehre?
4Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Missetat willen.
5So du aber dich beizeiten zu Gott tust und zu dem Allmächtigen flehst,
6und so du rein und fromm bist, so wird er aufwachen zu dir und wird wieder aufrichten deine Wohnung um deiner Gerechtigkeit willen;
7und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach gar sehr zunehmen.
8Denn frage die vorigen Geschlechter und merke auf das, was ihr Väter erforscht haben;
9denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unser Leben ist ein Schatten auf Erden.
10Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem Herzen hervorbringen:
11“Kann auch ein Rohr aufwachsen, wo es nicht feucht steht? oder Schilf wachsen ohne Wasser?
12Sonst wenn's noch in der Blüte ist, ehe es abgehauen wird, verdorrt es vor allem Gras.
13So geht es allen denen, die Gottes vergessen; und die Hoffnung der Heuchler wird verloren sein.
14Denn seine Zuversicht vergeht, und seine Hoffnung ist eine Spinnwebe.
15Er verläßt sich auf sein Haus, und wird doch nicht bestehen; er wird sich daran halten, aber doch nicht stehenbleiben.
16Er steht voll Saft im Sonnenschein, und seine Reiser wachsen hervor in seinem Garten.
17Seine Saat steht dick bei den Quellen und sein Haus auf Steinen.
18Wenn er ihn aber verschlingt von seiner Stätte, wird sie sich gegen ihn stellen, als kennte sie ihn nicht.
19Siehe, das ist die Freude seines Wesens; und aus dem Staube werden andere wachsen.”
20Darum siehe, daß Gott nicht verwirft die Frommen und erhält nicht die Hand der Boshaften,
21bis daß dein Mund voll Lachens werde und deine Lippen voll Jauchzens.
22Die dich aber hassen, werden zu Schanden werden, und der Gottlosen Hütte wird nicht bestehen.
Hiob 9
1Hiob antwortete und sprach:
2Ja, ich weiß gar wohl, daß es also ist und daß ein Mensch nicht recht behalten mag gegen Gott.
3Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Er ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?
5Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, die er in seinem Zorn umkehrt.
6Er bewegt die Erde aus ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.
7Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.
8Er breitet den Himmel aus allein und geht auf den Wogen des Meeres.
9Er macht den Wagen am Himmel und Orion und die Plejaden und die Sterne gegen Mittag.
10Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.
11Siehe, er geht an mir vorüber, ehe ich's gewahr werde, und wandelt vorbei, ehe ich's merke.
12Siehe, wenn er hinreißt, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?
13Er ist Gott; seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihn mußten sich beugen die Helfer Rahabs.
14Wie sollte ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?
15Wenn ich auch recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen.
16Wenn ich ihn schon anrufe, und er mir antwortet, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.
17Denn er fährt über mich mit Ungestüm und macht mir Wunden viel ohne Ursache.
18Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.
19Will man Macht, so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?
20Sage ich, daß ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; bin ich Unschuldig, so macht er mich doch zu Unrecht.
21Ich bin unschuldig! ich frage nicht nach meiner Seele, begehre keines Lebens mehr.
22Es ist eins, darum sage ich: Er bringt um beide, den Frommen und den Gottlosen.
23Wenn er anhebt zu geißeln, so dringt er alsbald zum Tod und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.
24Das Land aber wird gegeben unter die Hand der Gottlosen, und der Richter Antlitz verhüllt er. Ist's nicht also, wer anders sollte es tun?
25Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.
26Sie sind dahingefahren wie die Rohrschiffe, wie ein Adler fliegt zur Speise.
27Wenn ich gedenke: Ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,
28so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.
29Ich muß ja doch ein Gottloser sein; warum mühe ich mich denn so vergeblich?
30Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wüsche und reinigte mein Hände mit Lauge,
31so wirst du mich doch tauchen in Kot, und so werden mir meine Kleider greulich anstehen.
32Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten könnte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.
33Es ist zwischen uns kein Schiedsmann, der seine Hand auf uns beide lege.
34Er nehme von mir seine Rute und lasse seinen Schrecken von mir,
35daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; denn ich weiß, daß ich kein solcher bin.
Hiob 10
1Meine Seele verdrießt mein Leben; ich will meiner Klage bei mir ihren Lauf lassen und reden in der Betrübnis meiner Seele
2und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! laß mich wissen, warum du mit mir haderst.
3Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine Hände gemacht haben, und bringst der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?
4Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?
5Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit, oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre?
6daß du nach einer Missetat fragest und suchest meine Sünde,
7so du doch weißt wie ich nicht gottlos sei, so doch niemand ist, der aus deiner Hand erretten könne.
8Deine Hände haben mich bereitet und gemacht alles, was ich um und um bin; und du wolltest mich verderben?
9Gedenke doch, daß du mich aus Lehm gemacht hast; und wirst mich wieder zu Erde machen?
10Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse lassen gerinnen?
11Du hast mir Haut und Fleisch angezogen; mit Gebeinen und Adern hast du mich zusammengefügt.
12Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahrt meinen Odem.
13Aber dies verbargst du in deinem Herzen, ich weiß, daß du solches im Sinn hattest:
14wenn ich sündigte, so wolltest du es bald merken und meine Missetat nicht ungestraft lassen.
15Bin ich gottlos, dann wehe mir! bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und sehe mein Elend.
16Und wenn ich es aufrichte, so jagst du mich wie ein Löwe und handelst wiederum wunderbar an mir.
17Du erneuest deine Zeugen wider mich und machst deines Zornes viel auf mich; es zerplagt mich eins über das andere in Haufen.
18Warum hast du mich aus Mutterleib kommen lassen? Ach, daß ich wäre umgekommen und mich nie ein Auge gesehen hätte!
19So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe gebracht.
20Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre er auf und lasse ab von mir, daß ich ein wenig erquickt werde,
21ehe ich denn hingehe und komme nicht wieder, ins Land der Finsternis und des Dunkels,
22ins Land da es stockfinster ist und da keine Ordnung ist, und wenn's hell wird, so ist es wie Finsternis.
Hiob 11
1Da antwortete Zophar von Naema und sprach:
2Wenn einer lang geredet, muß er nicht auch hören? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben?
3Müssen die Leute zu deinem eitlen Geschwätz schweigen, daß du spottest und niemand dich beschäme?
4Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.
5Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf
6und zeigte dir die heimliche Weisheit! Denn er hätte noch wohl mehr an dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt.
7Meinst du, daß du wissest, was Gott weiß, und wollest es so vollkommen treffen wie der Allmächtige?
8Es ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen?
9länger denn die Erde und breiter denn das Meer.
10So er daherfährt und gefangen legt und Gericht hält, wer will's ihm wehren?
11Denn er kennt die losen Leute, er sieht die Untugend, und sollte es nicht merken?
12Ein unnützer Mann bläht sich, und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild.
13Wenn du dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest;
14wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, fern von dir tätest, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe:
15so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.
16Dann würdest du der Mühsal vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergeht;
17und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden;
18und dürftest dich dessen trösten, daß Hoffnung da sei; würdest dich umsehen und in Sicherheit schlafen legen;
19würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen.
20Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können; denn Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.
Übersetzung: Lutherbibel 1912