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Bibel in einem Jahr (optional)

Gott kennenlernen · Band 1

Hiob 16–19

Tag 18 von 365 · Lutherbibel 1912

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Hiob 16 · 1/4
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Hiob 16

1Hiob antwortete und sprach:

2Ich habe solches oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster!

3Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was macht dich so frech, also zu reden?

4Ich könnte auch wohl reden wie ihr. Wäre eure Seele an meiner Statt, so wollte ich auch Worte gegen euch zusammenbringen und mein Haupt also über euch schütteln.

5Ich wollte euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.

6Aber wenn ich schon rede, so schont mein der Schmerz nicht; lasse ich's anstehen so geht er nicht von mir.

7Nun aber macht er mich müde und verstört alles, was ich bin.

8Er hat mich runzlig gemacht, das zeugt wider mich; und mein Elend steht gegen mich auf und verklagt mich ins Angesicht.

9Sein Grimm zerreißt, und der mir gram ist, beißt die Zähne über mich zusammen; mein Widersacher funkelt mit seinen Augen auf mich.

10Sie haben ihren Mund aufgesperrt gegen mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen; sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlt.

11Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in der Gottlosen Hände kommen lassen.

12Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht; er hat mich beim Hals genommen und zerstoßen und hat mich zum Ziel aufgerichtet.

13Er hat mich umgeben mit seinen Schützen; er hat meine Nieren gespalten und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet.

14Er hat mir eine Wunde über die andere gemacht; er ist an mich gelaufen wie ein Gewaltiger.

15Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und habe mein Horn in den Staub gelegt.

16Mein Antlitz ist geschwollen von Weinen, und meine Augenlider sind verdunkelt,

17wiewohl kein Frevel in meiner Hand ist und mein Gebet ist rein.

18Ach Erde, bedecke mein Blut nicht! und mein Geschrei finde keine Ruhestätte!

19Auch siehe da, meine Zeuge ist mein Himmel; und der mich kennt, ist in der Höhe.

20Meine Freunde sind meine Spötter; aber mein Auge tränt zu Gott,

21daß er entscheiden möge zwischen dem Mann und Gott, zwischen dem Menschenkind und seinem Freunde.

22Denn die bestimmten Jahre sind gekommen, und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde.

Hiob 17

1Mein Odem ist schwach, und meine Tage sind abgekürzt; das Grab ist da.

2Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muß mein Auge weilen.

3Sei du selber mein Bürge bei dir; wer will mich sonst vertreten?

4Denn du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen; darum wirst du ihnen den Sieg geben.

5Es rühmt wohl einer seinen Freunden die Ausbeute; aber seiner Kinder Augen werden verschmachten.

6Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gemacht, und ich muß mir ins Angesicht speien lassen.

7Mein Auge ist dunkel geworden vor Trauern, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten.

8Darüber werden die Gerechten sich entsetzen, und die Unschuldigen werden sich entrüsten gegen die Heuchler.

9Aber der Gerechte wird seinen Weg behalten; und wer reine Hände hat, wird an Stärke zunehmen.

10Wohlan, so kehrt euch alle her und kommt; ich werde doch keinen Weisen unter euch finden.

11Meine Tage sind vergangen; meine Anschläge sind zerrissen, die mein Herz besessen haben.

12Sie wollen aus der Nacht Tag machen und aus dem Tage Nacht.

13Wenn ich gleich lange harre, so ist doch bei den Toten mein Haus, und in der Finsternis ist mein Bett gemacht;

14Die Verwesung heiße ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester:

15was soll ich denn harren? und wer achtet mein Hoffen?

16Hinunter zu den Toten wird es fahren und wird mit mir in dem Staub liegen.

Hiob 18

1Da antwortete Bildad von Suah und sprach:

2Wann wollt ihr der Reden ein Ende machen? Merkt doch; darnach wollen wir reden.

3Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so unrein vor euren Augen?

4Willst du vor Zorn bersten? Meinst du, daß um deinetwillen die Erde verlassen werde und der Fels von seinem Ort versetzt werde?

5Und doch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten.

6Das Licht wird finster werden in seiner Hütte, und seine Leuchte über ihm verlöschen.

7Seine kräftigen Schritte werden in die Enge kommen, und sein Anschlag wird ihn fällen.

8Denn er ist mit seinen Füßen in den Strick gebracht und wandelt im Netz.

9Der Strick wird seine Ferse halten, und die Schlinge wird ihn erhaschen.

10Sein Strick ist gelegt in die Erde, und seine Falle auf seinem Gang.

11Um und um wird ihn schrecken plötzliche Furcht, daß er nicht weiß, wo er hinaus soll.

12Hunger wird seine Habe sein, und Unglück wird ihm bereit sein und anhangen.

13Die Glieder seines Leibes werden verzehrt werden; seine Glieder wird verzehren der Erstgeborene des Todes.

14Seine Hoffnung wird aus seiner Hütte ausgerottet werden, und es wird ihn treiben zum König des Schreckens.

15In seiner Hütte wird nichts bleiben; über seine Stätte wird Schwefel gestreut werden.

16Von unten werden verdorren seine Wurzeln, und von oben abgeschnitten seine Zweige.

17Sein Gedächtnis wird vergehen in dem Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse.

18Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden.

19Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrigbleiben in seinen Gütern.

20Die nach ihm kommen, werden sich über seinen Tag entsetzen; und die vor ihm sind, wird eine Furcht ankommen.

21Das ist die Wohnung des Ungerechten; und dies ist die Stätte des, der Gott nicht achtet.

Hiob 19

1Hiob antwortete und sprach:

2Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten?

3Ihr habt mich nun zehnmal gehöhnt und schämt euch nicht, daß ihr mich also umtreibt.

4Irre ich, so irre ich mir.

5Wollt ihr wahrlich euch über mich erheben und wollt meine Schmach mir beweisen,

6so merkt doch nun einmal, daß mir Gott Unrecht tut und hat mich mit seinem Jagdstrick umgeben.

7Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht erhört; ich rufe, und ist kein Recht da.

8Er hat meinen Weg verzäunt, daß ich nicht kann hinübergehen, und hat Finsternis auf meinen Steig gestellt.

9Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

10Er hat mich zerbrochen um und um und läßt mich gehen und hat ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.

11Sein Zorn ist über mich ergrimmt, und er achtet mich für seinen Feind.

12Seine Kriegsscharen sind miteinander gekommen und haben ihren Weg gegen mich gebahnt und haben sich um meine Hütte her gelagert.

13Er hat meine Brüder fern von mir getan, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

14Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen.

15Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd; ich bin unbekannt geworden vor ihren Augen.

16Ich rief meinen Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihn anflehen mit eigenem Munde.

17Mein Odem ist zuwider meinem Weibe, und ich bin ein Ekel den Kindern meines Leibes.

18Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich ihnen widerstehe, so geben sie mir böse Worte.

19Alle meine Getreuen haben einen Greuel an mir; und die ich liebhatte, haben sich auch gegen mich gekehrt.

20Mein Gebein hanget an mir an Haut und Fleisch, und ich kann meine Zähne mit der Haut nicht bedecken.

21Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr meine Freunde! denn die Hand Gottes hat mich getroffen.

22Warum verfolgt ihr mich gleich wie Gott und könnt meines Fleisches nicht satt werden?

23Ach daß meine Reden geschrieben würden! ach daß sie in ein Buch gestellt würden!

24mit einem eisernen Griffel auf Blei und zum ewigem Gedächtnis in Stein gehauen würden!

25Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben.

26Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen.

27Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Darnach sehnen sich meine Nieren in meinem Schoß.

28Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!

29so fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über die Missetaten, auf daß ihr wißt, daß ein Gericht sei.

Übersetzung: Lutherbibel 1912