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Bibel in einem Jahr (optional)

Gott kennenlernen · Band 1

Hiob 20–22

Tag 19 von 365 · Lutherbibel 1912

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Hiob 20 · 1/3
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Hiob 20

1Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

2Darauf muß ich antworten und kann nicht harren.

3Denn ich muß hören, wie man mich straft und tadelt; aber der Geist meines Verstandes soll für mich antworten.

4Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind:

5daß der Ruhm der Gottlosen steht nicht lange und die Freude des Heuchlers währt einen Augenblick?

6Wenngleich seine Höhe in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt,

7so wird er doch zuletzt umkommen wie Kot, daß die, welche ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?

8Wie ein Traum vergeht, so wird er auch nicht zu finden sein, und wie ein Gesicht in der Nacht verschwindet.

9Welch Auge ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen; und seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen.

10Seine Kinder werden betteln gehen, und seine Hände müssen seine Habe wieder hergeben.

11Seine Gebeine werden seine heimlichen Sünden wohl bezahlen, und sie werden sich mit ihm in die Erde legen.

12Wenn ihm die Bosheit in seinem Munde wohl schmeckt, daß er sie birgt unter seiner Zunge,

13daß er sie hegt und nicht losläßt und sie zurückhält in seinem Gaumen,

14so wird seine Speise inwendig im Leibe sich verwandeln in Otterngalle.

15Die Güter, die er verschlungen hat, muß er wieder ausspeien, und Gott wird sie aus seinem Bauch stoßen.

16Er wird der Ottern Gift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten.

17Er wird nicht sehen die Ströme noch die Wasserbäche, die mit Honig und Butter fließen.

18Er wird arbeiten, und des nicht genießen; und seine Güter werden andern, daß er deren nicht froh wird.

19Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an sich gerissen, die er nicht erbaut hat.

20Denn sein Wanst konnte nicht voll werden; so wird er mit seinem köstlichen Gut nicht entrinnen.

21Nichts blieb übrig vor seinem Fressen; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben.

22Wenn er gleich die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; aller Hand Mühsal wird über ihn kommen.

23Es wird ihm der Wanst einmal voll werden, wenn er wird den Grimm seines Zorns über ihn senden und über ihn wird regnen lassen seine Speise.

24Er wird fliehen vor dem eisernen Harnisch, und der eherne Bogen wird ihn verjagen.

25Ein bloßes Schwert wird durch ihn ausgehen; und des Schwertes Blitz, der ihm bitter sein wird, wird mit Schrecken über ihn fahren.

26Es ist keine Finsternis da, die ihn verdecken möchte. Es wird ihn ein Feuer verzehren, das nicht angeblasen ist; und wer übrig ist in seiner Hütte, dem wird's übel gehen.

27Der Himmel wird seine Missetat eröffnen, und die Erde wird sich gegen ihn setzen.

28Das Getreide in seinem Hause wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

29Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das ihm zugesprochen wird von Gott.

Hiob 21

1Hiob antwortete und sprach:

2Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das anstatt eurer Tröstungen sein!

3Vertragt mich, daß ich auch rede, und spottet darnach mein!

4Handle ich denn mit einem Menschen? oder warum sollte ich ungeduldig sein?

5Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen.

6Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein Fleisch an.

7Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu an Gütern?

8Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.

9Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.

10Seinen Stier läßt man zu, und es mißrät ihm nicht; seine Kuh kalbt und ist nicht unfruchtbar.

11Ihre jungen Kinder lassen sie ausgehen wie eine Herde, und ihre Knaben hüpfen.

12Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten.

13Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen Augenblick vor dem Tode,

14die doch sagen zu Gott: “Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nicht wissen!

15Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten? oder was sind wir gebessert, so wir ihn anrufen?”

16“Aber siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen; darum soll der Gottlosen Sinn ferne von mir sein.”

17Wie oft geschieht's denn, daß die Leuchte der Gottlosen verlischt und ihr Unglück über sie kommt? daß er Herzeleid über sie austeilt in seinem Zorn?

18daß sie werden wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführt?

19“Gott spart desselben Unglück auf seine Kinder”. Er vergelte es ihm selbst, daß er's innewerde.

20Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen möge er trinken.

21Denn was ist ihm gelegen an seinem Hause nach ihm, wenn die Zahl seiner Monden ihm zugeteilt ist?

22Wer will Gott lehren, der auch die Hohen richtet?

23Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge,

24sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit Mark;

25jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden gegessen;

26und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.

27Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euer frevles Vornehmen gegen mich.

28Denn ihr sprecht: “Wo ist das Haus des Fürsten? und wo ist die Hütte, da die Gottlosen wohnten?”

29Habt ihr denn die Wanderer nicht befragt und nicht gemerkt ihre Zeugnisse?

30Denn der Böse wird erhalten am Tage des Verderbens, und am Tage des Grimms bleibt er.

31Wer will ihm ins Angesicht sagen, was er verdient? wer will ihm vergelten, was er tut?

32Und er wird zu Grabe geleitet und hält Wache auf seinem Hügel.

33Süß sind ihm die Schollen des Tales, und alle Menschen ziehen ihm nach; und derer, die ihm vorangegangen sind, ist keine Zahl.

34Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antworten finden sich unrecht!

Hiob 22

1Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

2Kann denn ein Mann Gottes etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger.

3Meinst du, dem Allmächtigen liege daran, daß du gerecht seist? Was hilft's ihm, wenn deine Wege ohne Tadel sind?

4Meinst du wegen deiner Gottesfurcht strafe er dich und gehe mit dir ins Gericht?

5Nein, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetaten ist kein Ende.

6Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache; du hast den Nackten die Kleider ausgezogen;

7du hast die Müden nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;

8du hast Gewalt im Lande geübt und prächtig darin gegessen;

9die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen zerbrochen.

10Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich erschreckt.

11Solltest du denn nicht die Finsternis sehen und die Wasserflut, die dich bedeckt?

12Ist nicht Gott hoch droben im Himmel? Siehe, die Sterne an droben in der Höhe!

13Und du sprichst: “Was weiß Gott? Sollte er, was im Dunkeln ist, richten können?

14Die Wolken sind die Vordecke, und er sieht nicht; er wandelt im Umkreis des Himmels.”

15Achtest du wohl auf den Weg, darin vorzeiten die Ungerechten gegangen sind?

16die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen;

17die zu Gott sprachen: “Hebe dich von uns! was sollte der Allmächtige uns tun können?”

18so er doch ihr Haus mit Gütern füllte. Aber der Gottlosen Rat sei ferne von mir.

19Die Gerechten werden es sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird ihrer spotten:

20“Fürwahr, unser Widersacher ist verschwunden; und sein Übriggelassenes hat das Feuer verzehrt.”

21So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.

22Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Reden in dein Herz.

23Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du aufgebaut werden. Tue nur Unrecht ferne hinweg von deiner Hütte

24und wirf in den Staub dein Gold und zu den Steinen der Bäche das Ophirgold,

25so wird der Allmächtige dein Gold sein und wie Silber, das dir zugehäuft wird.

26Dann wirst du Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott aufheben.

27So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören, und wirst dein Gelübde bezahlen.

28Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht wird auf deinem Wege scheinen.

29Denn die sich demütigen, die erhöht er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen.

30Auch der nicht unschuldig war wird errettet werden; er wird aber errettet um deiner Hände Reinigkeit willen.

Übersetzung: Lutherbibel 1912