Bibel in einem Jahr (optional)
Gott kennenlernen · Band 1
Hiob 31–33
Mitlesen und anhören
Hiob 31 · 1/3Audio für dieses Kapitel ist noch nicht verfügbar. (MP3 herunterladen)
Hiob 31
1Ich habe einen Bund gemacht mit meinen Augen, daß ich nicht achtete auf eine Jungfrau.
2Was gäbe mir Gott sonst als Teil von oben und was für ein Erbe der Allmächtige in der Höhe?
3Wird nicht der Ungerechte Unglück haben und ein Übeltäter verstoßen werden?
4Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Gänge?
5Habe ich gewandelt in Eitelkeit, oder hat mein Fuß geeilt zum Betrug?
6So wäge man mich auf der rechten Waage, so wird Gott erfahren meine Unschuld.
7Ist mein Gang gewichen aus dem Wege und mein Herz meinen Augen nachgefolgt und klebt ein Flecken an meinen Händen,
8so müsse ich säen, und ein andrer esse es; und mein Geschlecht müsse ausgewurzelt werden.
9Hat sich mein Herz lassen reizen zum Weibe und habe ich an meines Nächsten Tür gelauert,
10so müsse mein Weib von einem andern geschändet werden, und andere müssen bei ihr liegen;
11denn das ist ein Frevel und eine Missetat für die Richter.
12Denn das wäre ein Feuer, das bis in den Abgrund verzehrte und all mein Einkommen auswurzelte.
13Hab ich verachtet das Recht meines Knechtes oder meiner Magd, wenn sie eine Sache wider mich hatten?
14Was wollte ich tun, wenn Gott sich aufmachte, und was würde ich antworten, wenn er heimsuchte?
15Hat ihn nicht auch der gemacht, der mich in Mutterleibe machte, und hat ihn im Schoße ebensowohl bereitet?
16Habe ich den Dürftigen ihr Begehren versagt und die Augen der Witwe lassen verschmachten?
17Hab ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht der Waise auch davon gegessen?
18Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater, und von meiner Mutter Leib an habe ich gerne getröstet.
19Hab ich jemand sehen umkommen, daß er kein Kleid hatte, und den Armen ohne Decke gehen lassen?
20Haben mich nicht gesegnet seine Lenden, da er von den Fellen meiner Lämmer erwärmt ward?
21Hab ich meine Hand an den Waisen gelegt, weil ich sah, daß ich im Tor Helfer hatte?
22So falle meine Schulter von der Achsel, und mein Arm breche von der Röhre.
23Denn ich fürchte Gottes Strafe über mich und könnte seine Last nicht ertragen.
24Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zu dem Goldklumpen gesagt: “Mein Trost”?
25Hab ich mich gefreut, daß ich großes Gut hatte und meine Hand allerlei erworben hatte?
26Hab ich das Licht angesehen, wenn es hell leuchtete, und den Mond, wenn er voll ging,
27daß ich mein Herz heimlich beredet hätte, ihnen Küsse zuzuwerfen mit meiner Hand?
28was auch eine Missetat ist vor den Richtern; denn damit hätte ich verleugnet Gott in der Höhe.
29Hab ich mich gefreut, wenn's meinem Feind übel ging, und habe mich überhoben, darum daß ihn Unglück betreten hatte?
30Denn ich ließ meinen Mund nicht sündigen, daß ich verwünschte mit einem Fluch seine Seele.
31Haben nicht die Männer in meiner Hütte müssen sagen: “Wo ist einer, der von seinem Fleisch nicht wäre gesättigt worden?”
32Draußen mußte der Gast nicht bleiben, sondern meine Tür tat ich dem Wanderer auf.
33Hab ich meine Übertretungen nach Menschenweise zugedeckt, daß ich heimlich meine Missetat verbarg?
34Habe ich mir grauen lassen vor der großen Menge, und hat die Verachtung der Freundschaften mich abgeschreckt, daß ich stille blieb und nicht zur Tür ausging?
35O hätte ich einen, der mich anhört! Siehe, meine Unterschrift, der Allmächtige antworte mir!, und siehe die Schrift, die mein Verkläger geschrieben!
36Wahrlich, dann wollte ich sie auf meine Achsel nehmen und mir wie eine Krone umbinden;
37ich wollte alle meine Schritte ihm ansagen und wie ein Fürst zu ihm nahen.
38Wird mein Land gegen mich schreien und werden miteinander seine Furchen weinen;
39hab ich seine Früchte unbezahlt gegessen und das Leben der Ackerleute sauer gemacht:
40so mögen mir Disteln wachsen für Weizen und Dornen für Gerste. Die Worte Hiobs haben ein Ende.
Hiob 32
1Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt.
2Aber Elihu, der Sohn Baracheels von Bus, des Geschlechts Rams, ward zornig über Hiob, daß er seine Seele gerechter hielt denn Gott.
3Auch ward er zornig über seine drei Freunde, daß sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten.
4Denn Elihu hatte geharrt, bis daß sie mit Hiob geredet hatten, weil sie älter waren als er.
5Darum, da er sah, daß keine Antwort war im Munde der drei Männer, ward er zornig.
6Und so antwortete Elihu, der Sohn Baracheels von Bus, und sprach: Ich bin jung, ihr aber seid alt; darum habe ich mich gescheut und gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun.
7Ich dachte: Laß das Alter reden, und die Menge der Jahre laß Weisheit beweisen.
8Aber der Geist ist in den Leuten und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.
9Die Großen sind nicht immer die Weisesten, und die Alten verstehen nicht das Recht.
10Darum will ich auch reden; höre mir zu. Ich will mein Wissen auch kundtun.
11Siehe, ich habe geharrt auf das, was ihr geredet habt; ich habe aufgemerkt auf eure Einsicht, bis ihr träfet die rechte Rede,
12und ich habe achtgehabt auf euch. Aber siehe, da ist keiner unter euch, der Hiob zurechtweise oder seiner Rede antworte.
13Sagt nur nicht: “Wir haben Weisheit getroffen; Gott muß ihn schlagen, kein Mensch.”
14Gegen mich hat er seine Worte nicht gerichtet, und mit euren Reden will ich ihm nicht antworten.
15Ach! sie sind verzagt, können nicht mehr antworten; sie können nicht mehr reden.
16Weil ich denn geharrt habe, und sie konnten nicht reden (denn sie stehen still und antworten nicht mehr),
17will ich auch mein Teil antworten und will mein Wissen kundtun.
18Denn ich bin der Reden so voll, daß mich der Odem in meinem Innern ängstet.
19Siehe, mein Inneres ist wie der Most, der zugestopft ist, der die neuen Schläuche zerreißt.
20Ich muß reden, daß ich mir Luft mache; ich muß meine Lippen auftun und antworten.
21Ich will niemands Person ansehen und will keinem Menschen schmeicheln.
22Denn ich weiß nicht zu schmeicheln; leicht würde mich sonst mein Schöpfer dahinraffen.
Hiob 33
1Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!
2Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem Munde.
3Mein Herz soll recht reden, und meine Lippen sollen den reinen Verstand sagen.
4Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben.
5Kannst du, so antworte mir; rüste dich gegen mich und stelle dich.
6Siehe, ich bin Gottes ebensowohl als du, und aus Lehm bin ich auch gemacht.
7Siehe, du darfst vor mir nicht erschrecken, und meine Hand soll dir nicht zu schwer sein.
8Du hast geredet vor meinen Ohren; die Stimme deiner Reden mußte ich hören:
9“Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde;
10siehe, er hat eine Sache gegen mich gefunden, er achtet mich für einen Feind;
11er hat meinen Fuß in den Stock gelegt und hat acht auf alle meine Wege.”
12Siehe, darin hast du nicht recht, muß ich dir antworten; denn Gott ist mehr als ein Mensch.
13Warum willst du mit ihm zanken, daß er dir nicht Rechenschaft gibt alles seines Tuns?
14Denn in einer Weise redet Gott und wieder in einer anderen, nur achtet man's nicht.
15Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette,
16da öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie und züchtigt sie,
17daß er den Menschen von seinem Vornehmen wende und behüte ihn vor Hoffart
18und verschone seine Seele vor dem Verderben und sein Leben, daß es nicht ins Schwert falle.
19Auch straft er ihn mit Schmerzen auf seinem Bette und alle seinen Gebeine heftig
20und richtet ihm sein Leben so zu, daß ihm vor seiner Speise ekelt, und seine Seele, daß sie nicht Lust zu essen hat.
21Sein Fleisch verschwindet, daß man's nimmer sehen kann; und seine Gebeine werden zerschlagen, daß man sie nicht gerne ansieht,
22daß seine Seele naht zum Verderben und sein Leben zu den Toten.
23So dann für ihn ein Engel als Mittler eintritt, einer aus tausend, zu verkündigen dem Menschen, wie er solle recht tun,
24so wird er ihm gnädig sein und sagen: “Erlöse ihn, daß er nicht hinunterfahre ins Verderben; denn ich habe eine Versöhnung gefunden.”
25Sein Fleisch wird wieder grünen wie in der Jugend, und er wird wieder jung werden.
26Er wird Gott bitten; der wird ihm Gnade erzeigen und wird ihn sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen nach seiner Gerechtigkeit vergelten.
27Er wird vor den Leuten bekennen und sagen: “Ich hatte gesündigt und das Recht verkehrt; aber es ist mir nicht vergolten worden.
28Er hat meine Seele erlöst, daß sie nicht führe ins Verderben, sondern mein Leben das Licht sähe.”
29Siehe, das alles tut Gott zwei-oder dreimal mit einem jeglichen,
30daß er seine Seele zurückhole aus dem Verderben und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.
31Merke auf, Hiob, und höre mir zu und schweige, daß ich rede!
32Hast du aber was zu sagen, so antworte mir; Sage an! ich wollte dich gerne rechtfertigen.
33Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige; ich will dich die Weisheit lehren.
Übersetzung: Lutherbibel 1912