Bibel in einem Jahr (optional)
Jesus folgen · Band 2
Hiob 11–14
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Hiob 11
1Da antwortete Zophar von Naema und sprach:
2Wenn einer lang geredet, muß er nicht auch hören? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben?
3Müssen die Leute zu deinem eitlen Geschwätz schweigen, daß du spottest und niemand dich beschäme?
4Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.
5Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf
6und zeigte dir die heimliche Weisheit! Denn er hätte noch wohl mehr an dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt.
7Meinst du, daß du wissest, was Gott weiß, und wollest es so vollkommen treffen wie der Allmächtige?
8Es ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen?
9länger denn die Erde und breiter denn das Meer.
10So er daherfährt und gefangen legt und Gericht hält, wer will's ihm wehren?
11Denn er kennt die losen Leute, er sieht die Untugend, und sollte es nicht merken?
12Ein unnützer Mann bläht sich, und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild.
13Wenn du dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest;
14wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, fern von dir tätest, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe:
15so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.
16Dann würdest du der Mühsal vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergeht;
17und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden;
18und dürftest dich dessen trösten, daß Hoffnung da sei; würdest dich umsehen und in Sicherheit schlafen legen;
19würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen.
20Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können; denn Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.
Hiob 12
1Da antwortete Hiob und sprach:
2Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben!
3Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr; und wer ist, der solches nicht wisse?
4Ich muß von meinem Nächsten verlacht sein, der ich Gott anrief, und er erhörte mich. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein
5und ist ein verachtet Lichtlein vor den Gedanken der Stolzen, steht aber, daß sie sich daran ärgern.
6Der Verstörer Hütten haben die Fülle, und Ruhe haben, die wider Gott toben, die ihren Gott in der Faust führen.
7Frage doch das Vieh, das wird dich's lehren und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir's sagen;
8oder rede mit der Erde, die wird dich's lehren, und die Fische im Meer werden dir's erzählen.
9Wer erkennte nicht an dem allem, daß des HERRN Hand solches gemacht hat?
10daß in seiner Hand ist die Seele alles dessen, was da lebt, und der Geist des Fleisches aller Menschen?
11Prüft nicht das Ohr die Rede? und der Mund schmeckt die Speise?
12Ja, “bei den Großvätern ist die Weisheit, und der Verstand bei den Alten”.
13Bei ihm ist Weisheit und Gewalt, Rat und Verstand.
14Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand einschließt, kann niemand aufmachen.
15Siehe, wenn er das Wasser verschließt, so wird alles dürr; und wenn er's ausläßt, so kehrt es das Land um.
16Er ist stark und führt es aus. Sein ist, der da irrt und der da verführt.
17Er führt die Klugen wie einen Raub und macht die Richter toll.
18Er löst auf der Könige Zwang und bindet mit einem Gurt ihre Lenden.
19Er führt die Priester wie einen Raub und bringt zu Fall die Festen.
20Er entzieht die Sprache den Bewährten und nimmt weg den Verstand der Alten.
21Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und macht den Gürtel der Gewaltigen los.
22Er öffnet die finsteren Gründe und bringt heraus das Dunkel an das Licht.
23Er macht etliche zu großem Volk und bringt sie wieder um. Er breitet ein Volk aus und treibt es wieder weg.
24Er nimmt weg den Mut der Obersten des Volkes im Lande und macht sie irre auf einem Umwege, da kein Weg ist,
25daß sie in Finsternis tappen ohne Licht; und macht sie irre wie die Trunkenen.
Hiob 13
1Siehe, das alles hat mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und ich habe es verstanden.
2Was ihr wißt, das weiß ich auch; und bin nicht geringer denn ihr.
3Doch wollte ich gern zu dem Allmächtigen reden und wollte gern mit Gott rechten.
4Aber ihr deutet's fälschlich und seid alle unnütze Ärzte.
5Wollte Gott, ihr schwieget, so wäret ihr weise.
6Höret doch meine Verantwortung und merket auf die Sache, davon ich rede!
7Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und für ihn List brauchen?
8Wollt ihr seine Person ansehen? Wollt ihr Gott vertreten?
9Wird's euch auch wohl gehen, wenn er euch richten wird? Meint ihr, daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?
10Er wird euch strafen, wo ihr heimlich Person ansehet.
11Wird er euch nicht erschrecken, wenn er sich wird hervortun, und wird seine Furcht nicht über euch fallen?
12Eure Denksprüche sind Aschensprüche; eure Bollwerke werden wie Lehmhaufen sein.
13Schweiget mir, daß ich rede, es komme über mich, was da will.
14Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen davontragen und meine Seele in meine Hände legen?
15Siehe, er wird mich doch erwürgen, und ich habe nichts zu hoffen; doch will ich meine Wege vor ihm verantworten.
16Er wird ja mein Heil sein; denn es kommt kein Heuchler vor ihn.
17Höret meine Rede, und meine Auslegung gehe ein zu euren Ohren.
18Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, daß ich recht behalten werde.
19Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und verscheiden.
20Zweierlei tue mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:
21laß deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht!
22Dann rufe, ich will antworten, oder ich will reden, antworte du mir!
23Wie viel ist meiner Missetaten und Sünden? Laß mich wissen meine Übertretung und Sünde.
24Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?
25Willst du wider ein fliegend Blatt so ernst sein und einen dürren Halm verfolgen?
26Denn du schreibst mir Betrübnis an und willst über mich bringen die Sünden meiner Jugend.
27Du hast meinen Fuß in den Stock gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und siehst auf die Fußtapfen meiner Füße,
28der ich doch wie Moder vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.
Hiob 14
1Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,
2geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.
3Und du tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir ins Gericht ziehest.
4Kann wohl ein Reiner kommen von den Unreinen? Auch nicht einer.
5Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden steht bei dir; du hast ein Ziel gesetzt, das wird er nicht überschreiten.
6So tu dich von ihm, daß er Ruhe habe, bis daß seine Zeit komme, deren er wie ein Tagelöhner wartet.
7Ein Baum hat Hoffnung, wenn er schon abgehauen ist, daß er sich wieder erneue, und seine Schößlinge hören nicht auf.
8Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stamm im Staub erstirbt,
9so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und wächst daher, als wäre er erst gepflanzt.
10Aber der Mensch stirbt und ist dahin; er verscheidet, und wo ist er?
11Wie ein Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet,
12so ist ein Mensch, wenn er sich legt, und wird nicht aufstehen und wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.
13Ach daß du mich in der Hölle verdecktest und verbärgest, bis dein Zorn sich lege, und setztest mir ein Ziel, daß du an mich dächtest.
14Wird ein toter Mensch wieder leben? Alle Tage meines Streites wollte ich harren, bis daß meine Veränderung komme!
15Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände.
16Jetzt aber zählst du meine Gänge. Hast du nicht acht auf meine Sünden?
17Du hast meine Übertretungen in ein Bündlein versiegelt und meine Missetat zusammengefaßt.
18Zerfällt doch ein Berg und vergeht, und ein Fels wird von seinem Ort versetzt;
19Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten flößen die Erde weg: aber des Menschen Hoffnung ist verloren;
20denn du stößest ihn gar um, daß er dahinfährt, veränderst sein Wesen und lässest ihn fahren.
21Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht; oder ob sie gering sind, des wird er nicht gewahr.
22Nur sein eigen Fleisch macht ihm Schmerzen, und seine Seele ist ihm voll Leides.
Übersetzung: Lutherbibel 1912