Bibel in einem Jahr (optional)
Jesus folgen · Band 2
Hiob 28–30
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Hiob 28
1Es hat das Silber seine Gänge, und das Gold, das man läutert seinen Ort.
2Eisen bringt man aus der Erde, und aus den Steinen schmelzt man Erz.
3Man macht der Finsternis ein Ende und findet zuletzt das Gestein tief verborgen.
4Man bricht einen Schacht von da aus, wo man wohnt; darin hangen und schweben sie als die Vergessenen, da kein Fuß hin tritt, fern von den Menschen.
5Man zerwühlt unten die Erde wie mit Feuer, darauf doch oben die Speise wächst.
6Man findet Saphir an etlichen Orten, und Erdenklöße, da Gold ist.
7Den Steig kein Adler erkannt hat und kein Geiersauge gesehen;
8es hat das stolze Wild nicht darauf getreten und ist kein Löwe darauf gegangen.
9Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge um.
10Man reißt Bäche aus den Felsen; und alles, was köstlich ist, sieht das Auge.
11Man wehrt dem Strome des Wassers und bringt, das darinnen verborgen ist, ans Licht.
12Wo will man aber die Weisheit finden? und wo ist die Stätte des Verstandes?
13Niemand weiß, wo sie liegt, und sie wird nicht gefunden im Lande der Lebendigen.
14Die Tiefe spricht: “Sie ist in mir nicht”; und das Meer spricht: “Sie ist nicht bei mir”.
15Man kann nicht Gold um sie geben noch Silber darwägen, sie zu bezahlen.
16Es gilt ihr nicht gleich ophirisch Gold oder köstlicher Onyx und Saphir.
17Gold und Glas kann man ihr nicht vergleichen noch um sie golden Kleinod wechseln.
18Korallen und Kristall achtet man gegen sie nicht. Die Weisheit ist höher zu wägen denn Perlen.
19Topaz aus dem Mohrenland wird ihr nicht gleich geschätzt, und das reinste Gold gilt ihr nicht gleich.
20Woher kommt denn die Weisheit? und wo ist die Stätte des Verstandes?
21Sie ist verhohlen vor den Augen aller Lebendigen, auch den Vögeln unter dem Himmel.
22Der Abgrund und der Tod sprechen: “Wir haben mit unsern Ohren ihr Gerücht gehört.”
23Gott weiß den Weg dazu und kennt ihre Stätte.
24Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem Himmel ist.
25Da er dem Winde sein Gewicht machte und setzte dem Wasser sein gewisses Maß;
26da er dem Regen ein Ziel machte und dem Blitz und Donner den Weg:
27da sah er sie und verkündigte sie, bereitete sie und ergründete sie
28und sprach zu den Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit; und meiden das Böse, das ist Verstand.
Hiob 29
1Und Hiob hob abermals an seine Sprüche und sprach:
2O daß ich wäre wie in den vorigen Monden, in den Tagen, da mich Gott behütete;
3da seine Leuchte über meinem Haupt schien und ich bei seinem Licht in der Finsternis ging;
4wie war ich in der Reife meines Lebens, da Gottes Geheimnis über meiner Hütte war;
5da der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her;
6da ich meine Tritte wusch in Butter und die Felsen mir Ölbäche gossen;
7da ich ausging zum Tor in der Stadt und mir ließ meinen Stuhl auf der Gasse bereiten;
8da mich die Jungen sahen und sich versteckten, und die Alten vor mir aufstanden;
9da die Obersten aufhörten zu reden und legten ihre Hand auf ihren Mund;
10da die Stimme der Fürsten sich verkroch und ihre Zunge am Gaumen klebte!
11Denn wessen Ohr mich hörte, der pries mich selig; und wessen Auge mich sah, der rühmte mich.
12Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und den Waisen, der keinen Helfer hatte.
13Der Segen des, der verderben sollte, kam über mich; und ich erfreute das Herz der Witwe.
14Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog wie einen Rock; und mein Recht war mein fürstlicher Hut.
15Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Fuß.
16Ich war ein Vater der Armen; und die Sache des, den ich nicht kannte, die erforschte ich.
17Ich zerbrach die Backenzähne des Ungerechten und riß den Raub aus seinen Zähnen.
18Ich gedachte: “Ich will in meinem Nest ersterben und meiner Tage viel machen wie Sand.”
19Meine Wurzel war aufgetan dem Wasser, und der Tau blieb über meinen Zweigen.
20Meine Herrlichkeit erneute sich immer an mir, und mein Bogen ward immer stärker in meiner Hand.
21Sie hörten mir zu und schwiegen und warteten auf meinen Rat.
22Nach meinen Worten redete niemand mehr, und meine Rede troff auf sie.
23Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperrten ihren Mund auf als nach dem Spätregen.
24Wenn ich mit ihnen lachte, wurden sie nicht zu kühn darauf; und das Licht meines Angesichts machte mich nicht geringer.
25Wenn ich zu ihrem Geschäft wollte kommen, so mußte ich obenan sitzen und wohnte wie ein König unter Kriegsknechten, da ich tröstete, die Leid trugen.
Hiob 30
1Nun aber lachen sie mein, die jünger sind denn ich, deren Väter ich verachtet hätte, sie zu stellen unter meine Schafhunde;
2deren Vermögen ich für nichts hielt; die nicht zum Alter kommen konnten;
3die vor Hunger und Kummer einsam flohen in die Einöde, neulich verdarben und elend wurden;
4die da Nesseln ausraufen um die Büsche, und Ginsterwurzel ist ihre Speise;
5aus der Menschen Mitte werden sie weggetrieben, man schreit über sie wie über einen Dieb;
6in grausigen Tälern wohnen sie, in den Löchern der Erde und Steinritzen;
7zwischen den Büschen rufen sie, und unter den Disteln sammeln sie sich:
8die Kinder gottloser und verachteter Leute, die man aus dem Lande weggetrieben.
9Nun bin ich ihr Spottlied geworden und muß ihr Märlein sein.
10Sie haben einen Greuel an mir und machen sich ferne von mir und scheuen sich nicht, vor meinem Angesicht zu speien.
11Sie haben ihr Seil gelöst und mich zunichte gemacht und ihren Zaum vor mir abgetan.
12Zur Rechten haben sich Buben wider mich gesetzt und haben meinen Fuß ausgestoßen und haben wider mich einen Weg gemacht, mich zu verderben.
13Sie haben meine Steige zerbrochen; es war ihnen so leicht, mich zu beschädigen, daß sie keiner Hilfe dazu bedurften.
14Sie sind gekommen wie zu einer weiten Lücke der Mauer herein und sind ohne Ordnung dahergefallen.
15Schrecken hat sich gegen mich gekehrt und hat verfolgt wie der Wind meine Herrlichkeit; und wie eine Wolke zog vorüber mein glückseliger Stand.
16Nun aber gießt sich aus meine Seele über mich, und mich hat ergriffen die elende Zeit.
17Des Nachts wird mein Gebein durchbohrt allenthalben; und die mich nagen, legen sich nicht schlafen.
18Mit großer Gewalt werde ich anders und anders gekleidet, und ich werde damit umgürtet wie mit einem Rock.
19Man hat mich in den Kot getreten und gleich geachtet dem Staub und der Asche.
20Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht; trete ich hervor, so achtest du nicht auf mich.
21Du hast mich verwandelt in einen Grausamen und zeigst an mit der Stärke deiner Hand, daß du mir gram bist.
22Du hebst mich auf und lässest mich auf dem Winde fahren und zerschmelzest mich kräftig.
23Denn ich weiß du wirst mich dem Tod überantworten; da ist das bestimmte Haus aller Lebendigen.
24Aber wird einer nicht die Hand ausstrecken unter Trümmern und nicht schreien vor seinem Verderben?
25Ich weinte ja über den, der harte Zeit hatte; und meine Seele jammerte der Armen.
26Ich wartete des Guten, und es kommt das Böse; ich hoffte aufs Licht, und es kommt Finsternis.
27Meine Eingeweide sieden und hören nicht auf; mich hat überfallen die elende Zeit.
28Ich gehe schwarz einher, und brennt mich doch die Sonne nicht; ich stehe auf in der Gemeinde und schreie.
29Ich bin ein Bruder der Schakale und ein Geselle der Strauße.
30Meine Haut über mir ist schwarz geworden, und meine Gebeine sind verdorrt vor Hitze.
31Meine Harfe ist eine Klage geworden und meine Flöte ein Weinen.
Übersetzung: Lutherbibel 1912