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Bibel in einem Jahr (optional)

Fest stehen und gesandt werden · Band 3

Hiob 19–21

Tag 218 von 365 · Lutherbibel 1912

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Hiob 19 · 1/3
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Hiob 19

1Hiob antwortete und sprach:

2Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten?

3Ihr habt mich nun zehnmal gehöhnt und schämt euch nicht, daß ihr mich also umtreibt.

4Irre ich, so irre ich mir.

5Wollt ihr wahrlich euch über mich erheben und wollt meine Schmach mir beweisen,

6so merkt doch nun einmal, daß mir Gott Unrecht tut und hat mich mit seinem Jagdstrick umgeben.

7Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht erhört; ich rufe, und ist kein Recht da.

8Er hat meinen Weg verzäunt, daß ich nicht kann hinübergehen, und hat Finsternis auf meinen Steig gestellt.

9Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

10Er hat mich zerbrochen um und um und läßt mich gehen und hat ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.

11Sein Zorn ist über mich ergrimmt, und er achtet mich für seinen Feind.

12Seine Kriegsscharen sind miteinander gekommen und haben ihren Weg gegen mich gebahnt und haben sich um meine Hütte her gelagert.

13Er hat meine Brüder fern von mir getan, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

14Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen.

15Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd; ich bin unbekannt geworden vor ihren Augen.

16Ich rief meinen Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihn anflehen mit eigenem Munde.

17Mein Odem ist zuwider meinem Weibe, und ich bin ein Ekel den Kindern meines Leibes.

18Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich ihnen widerstehe, so geben sie mir böse Worte.

19Alle meine Getreuen haben einen Greuel an mir; und die ich liebhatte, haben sich auch gegen mich gekehrt.

20Mein Gebein hanget an mir an Haut und Fleisch, und ich kann meine Zähne mit der Haut nicht bedecken.

21Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr meine Freunde! denn die Hand Gottes hat mich getroffen.

22Warum verfolgt ihr mich gleich wie Gott und könnt meines Fleisches nicht satt werden?

23Ach daß meine Reden geschrieben würden! ach daß sie in ein Buch gestellt würden!

24mit einem eisernen Griffel auf Blei und zum ewigem Gedächtnis in Stein gehauen würden!

25Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben.

26Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen.

27Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Darnach sehnen sich meine Nieren in meinem Schoß.

28Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!

29so fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über die Missetaten, auf daß ihr wißt, daß ein Gericht sei.

Hiob 20

1Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

2Darauf muß ich antworten und kann nicht harren.

3Denn ich muß hören, wie man mich straft und tadelt; aber der Geist meines Verstandes soll für mich antworten.

4Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind:

5daß der Ruhm der Gottlosen steht nicht lange und die Freude des Heuchlers währt einen Augenblick?

6Wenngleich seine Höhe in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt,

7so wird er doch zuletzt umkommen wie Kot, daß die, welche ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?

8Wie ein Traum vergeht, so wird er auch nicht zu finden sein, und wie ein Gesicht in der Nacht verschwindet.

9Welch Auge ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen; und seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen.

10Seine Kinder werden betteln gehen, und seine Hände müssen seine Habe wieder hergeben.

11Seine Gebeine werden seine heimlichen Sünden wohl bezahlen, und sie werden sich mit ihm in die Erde legen.

12Wenn ihm die Bosheit in seinem Munde wohl schmeckt, daß er sie birgt unter seiner Zunge,

13daß er sie hegt und nicht losläßt und sie zurückhält in seinem Gaumen,

14so wird seine Speise inwendig im Leibe sich verwandeln in Otterngalle.

15Die Güter, die er verschlungen hat, muß er wieder ausspeien, und Gott wird sie aus seinem Bauch stoßen.

16Er wird der Ottern Gift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten.

17Er wird nicht sehen die Ströme noch die Wasserbäche, die mit Honig und Butter fließen.

18Er wird arbeiten, und des nicht genießen; und seine Güter werden andern, daß er deren nicht froh wird.

19Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an sich gerissen, die er nicht erbaut hat.

20Denn sein Wanst konnte nicht voll werden; so wird er mit seinem köstlichen Gut nicht entrinnen.

21Nichts blieb übrig vor seinem Fressen; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben.

22Wenn er gleich die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; aller Hand Mühsal wird über ihn kommen.

23Es wird ihm der Wanst einmal voll werden, wenn er wird den Grimm seines Zorns über ihn senden und über ihn wird regnen lassen seine Speise.

24Er wird fliehen vor dem eisernen Harnisch, und der eherne Bogen wird ihn verjagen.

25Ein bloßes Schwert wird durch ihn ausgehen; und des Schwertes Blitz, der ihm bitter sein wird, wird mit Schrecken über ihn fahren.

26Es ist keine Finsternis da, die ihn verdecken möchte. Es wird ihn ein Feuer verzehren, das nicht angeblasen ist; und wer übrig ist in seiner Hütte, dem wird's übel gehen.

27Der Himmel wird seine Missetat eröffnen, und die Erde wird sich gegen ihn setzen.

28Das Getreide in seinem Hause wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

29Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das ihm zugesprochen wird von Gott.

Hiob 21

1Hiob antwortete und sprach:

2Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das anstatt eurer Tröstungen sein!

3Vertragt mich, daß ich auch rede, und spottet darnach mein!

4Handle ich denn mit einem Menschen? oder warum sollte ich ungeduldig sein?

5Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen.

6Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein Fleisch an.

7Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu an Gütern?

8Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.

9Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.

10Seinen Stier läßt man zu, und es mißrät ihm nicht; seine Kuh kalbt und ist nicht unfruchtbar.

11Ihre jungen Kinder lassen sie ausgehen wie eine Herde, und ihre Knaben hüpfen.

12Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten.

13Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen Augenblick vor dem Tode,

14die doch sagen zu Gott: “Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nicht wissen!

15Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten? oder was sind wir gebessert, so wir ihn anrufen?”

16“Aber siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen; darum soll der Gottlosen Sinn ferne von mir sein.”

17Wie oft geschieht's denn, daß die Leuchte der Gottlosen verlischt und ihr Unglück über sie kommt? daß er Herzeleid über sie austeilt in seinem Zorn?

18daß sie werden wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführt?

19“Gott spart desselben Unglück auf seine Kinder”. Er vergelte es ihm selbst, daß er's innewerde.

20Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen möge er trinken.

21Denn was ist ihm gelegen an seinem Hause nach ihm, wenn die Zahl seiner Monden ihm zugeteilt ist?

22Wer will Gott lehren, der auch die Hohen richtet?

23Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge,

24sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit Mark;

25jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden gegessen;

26und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.

27Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euer frevles Vornehmen gegen mich.

28Denn ihr sprecht: “Wo ist das Haus des Fürsten? und wo ist die Hütte, da die Gottlosen wohnten?”

29Habt ihr denn die Wanderer nicht befragt und nicht gemerkt ihre Zeugnisse?

30Denn der Böse wird erhalten am Tage des Verderbens, und am Tage des Grimms bleibt er.

31Wer will ihm ins Angesicht sagen, was er verdient? wer will ihm vergelten, was er tut?

32Und er wird zu Grabe geleitet und hält Wache auf seinem Hügel.

33Süß sind ihm die Schollen des Tales, und alle Menschen ziehen ihm nach; und derer, die ihm vorangegangen sind, ist keine Zahl.

34Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antworten finden sich unrecht!

Übersetzung: Lutherbibel 1912