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Bibel in einem Jahr (optional)

Fest stehen und gesandt werden · Band 3

Hiob 22–24

Tag 219 von 365 · Lutherbibel 1912

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Hiob 22 · 1/3
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Hiob 22

1Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

2Kann denn ein Mann Gottes etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger.

3Meinst du, dem Allmächtigen liege daran, daß du gerecht seist? Was hilft's ihm, wenn deine Wege ohne Tadel sind?

4Meinst du wegen deiner Gottesfurcht strafe er dich und gehe mit dir ins Gericht?

5Nein, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetaten ist kein Ende.

6Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache; du hast den Nackten die Kleider ausgezogen;

7du hast die Müden nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;

8du hast Gewalt im Lande geübt und prächtig darin gegessen;

9die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen zerbrochen.

10Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich erschreckt.

11Solltest du denn nicht die Finsternis sehen und die Wasserflut, die dich bedeckt?

12Ist nicht Gott hoch droben im Himmel? Siehe, die Sterne an droben in der Höhe!

13Und du sprichst: “Was weiß Gott? Sollte er, was im Dunkeln ist, richten können?

14Die Wolken sind die Vordecke, und er sieht nicht; er wandelt im Umkreis des Himmels.”

15Achtest du wohl auf den Weg, darin vorzeiten die Ungerechten gegangen sind?

16die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen;

17die zu Gott sprachen: “Hebe dich von uns! was sollte der Allmächtige uns tun können?”

18so er doch ihr Haus mit Gütern füllte. Aber der Gottlosen Rat sei ferne von mir.

19Die Gerechten werden es sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird ihrer spotten:

20“Fürwahr, unser Widersacher ist verschwunden; und sein Übriggelassenes hat das Feuer verzehrt.”

21So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.

22Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Reden in dein Herz.

23Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du aufgebaut werden. Tue nur Unrecht ferne hinweg von deiner Hütte

24und wirf in den Staub dein Gold und zu den Steinen der Bäche das Ophirgold,

25so wird der Allmächtige dein Gold sein und wie Silber, das dir zugehäuft wird.

26Dann wirst du Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott aufheben.

27So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören, und wirst dein Gelübde bezahlen.

28Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht wird auf deinem Wege scheinen.

29Denn die sich demütigen, die erhöht er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen.

30Auch der nicht unschuldig war wird errettet werden; er wird aber errettet um deiner Hände Reinigkeit willen.

Hiob 23

1Hiob antwortete und sprach:

2Meine Rede bleibt noch betrübt; meine Macht ist schwach über meinem Seufzen.

3Ach daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Stuhl kommen möchte

4und das Recht vor ihm sollte vorlegen und den Mund voll Verantwortung fassen

5und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde!

6Will er mit großer Macht mit mir rechten? Er stelle sich nicht so gegen mich,

7sondern lege mir's gleich vor, so will ich mein Recht wohl gewinnen.

8Aber ich gehe nun stracks vor mich, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht;

9ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht.

10Er aber kennt meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.

11Denn ich setze meinen Fuß auf seine Bahn und halte seinen Weg und weiche nicht ab

12und trete nicht von dem Gebot seiner Lippen und bewahre die Rede seines Mundes mehr denn mein eigen Gesetz.

13Doch er ist einig; wer will ihm wehren? Und er macht's wie er will.

14Denn er wird vollführen, was mir bestimmt ist, und hat noch viel dergleichen im Sinne.

15Darum erschrecke ich vor ihm; und wenn ich's bedenke, so fürchte ich mich vor ihm.

16Gott hat mein Herz blöde gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt.

17Denn die Finsternis macht kein Ende mit mir, und das Dunkel will vor mir nicht verdeckt werden.

Hiob 24

1Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und warum sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht?

2Man verrückt die Grenzen, raubt die Herde und weidet sie.

3Sie treiben der Waisen Esel weg und nehmen der Witwe Ochsen zum Pfande.

4Die Armen müssen ihnen weichen, und die Dürftigen im Lande müssen sich verkriechen.

5Siehe, wie Wildesel in der Wüste gehen sie hinaus an ihr Werk und suchen Nahrung; die Einöde gibt ihnen Speise für ihre Kinder.

6Sie ernten auf dem Acker, was er trägt, und lesen den Weinberg des Gottlosen.

7Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost.

8Sie müssen sich zu den Felsen halten, wenn ein Platzregen von den Bergen auf sie gießt, weil sie sonst keine Zuflucht haben.

9Man reißt das Kind von den Brüsten und macht's zum Waisen und macht die Leute arm mit Pfänden.

10Den Nackten lassen sie ohne Kleider gehen, und den Hungrigen nehmen sie die Garben.

11Sie zwingen sie, Öl zu machen auf ihrer Mühle und ihre Kelter zu treten, und lassen sie doch Durst leiden.

12Sie machen die Leute in der Stadt seufzend und die Seele der Erschlagenen schreiend, und Gott stürzt sie nicht.

13Jene sind abtrünnig geworden vom Licht und kennen seinen Weg nicht und kehren nicht wieder zu seiner Straße.

14Wenn der Tag anbricht, steht auf der Mörder und erwürgt den Armen und Dürftigen; und des Nachts ist er wie ein Dieb.

15Das Auge des Ehebrechers hat acht auf das Dunkel, und er spricht: “Mich sieht kein Auge”, und verdeckt sein Antlitz.

16Im Finstern bricht man in die Häuser ein; des Tages verbergen sie sich miteinander und scheuen das Licht.

17Denn wie wenn der Morgen käme, ist ihnen allen die Finsternis; denn sie sind bekannt mit den Schrecken der Finsternis.

18“Er fährt leicht wie auf einem Wasser dahin; seine Habe wird gering im Lande, und er baut seinen Weinberg nicht.

19Der Tod nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt.

20Der Mutterschoß vergißt sein; die Würmer haben ihre Lust an ihm. Sein wird nicht mehr gedacht; er wird zerbrochen wie ein fauler Baum,

21er, der beleidigt hat die Einsame, die nicht gebiert, und hat der Witwe kein Gutes getan.”

22Aber Gott erhält die Mächtigen durch seine Kraft, daß sie wieder aufstehen, wenn sie am Leben verzweifelten.

23Er gibt ihnen, daß sie sicher seien und eine Stütze haben; und seine Augen sind über ihren Wegen.

24Sie sind hoch erhöht, und über ein kleines sind sie nicht mehr; sinken sie hin, so werden sie weggerafft wie alle andern, und wie das Haupt auf den Ähren werden sie abgeschnitten.

25Ist's nicht also? Wohlan, wer will mich Lügen strafen und bewähren, daß meine Rede nichts sei?

Übersetzung: Lutherbibel 1912