Bibel in einem Jahr (optional)
Fest stehen und gesandt werden · Band 3
Hiob 34–36
Mitlesen und anhören
Hiob 34 · 1/3Audio für dieses Kapitel ist noch nicht verfügbar. (MP3 herunterladen)
Hiob 34
1Und es hob an Elihu und sprach:
2Hört, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merkt auf mich!
3Denn das Ohr prüft die Rede, und der Mund schmeckt die Speise.
4Laßt uns ein Urteil finden, daß wir erkennen unter uns, was gut sei.
5Denn Hiob hat gesagt: “Ich bin gerecht, und Gott weigert mir mein Recht;
6ich muß lügen, ob ich wohl recht habe, und bin gequält von meinen Pfeilen, ob ich wohl nichts verschuldet habe.”
7Wer ist ein solcher Hiob, der da Spötterei trinkt wie Wasser
8und auf dem Wege geht mit den Übeltätern und wandelt mit gottlosen Leuten?
9Denn er hat gesagt: “Wenn jemand schon fromm ist, so gilt er doch nichts bei Gott.”
10Darum hört mir zu, ihr weisen Leute: Es sei ferne, daß Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht;
11sondern er vergilt dem Menschen, darnach er verdient hat, und trifft einen jeglichen nach seinem Tun.
12Ohne zweifel, Gott verdammt niemand mit Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.
13Wer hat, was auf Erden ist, verordnet, und wer hat den ganzen Erdboden gesetzt?
14So er nun an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge,
15so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Staub werden.
16Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Reden.
17Kann auch, der das Recht haßt regieren? Oder willst du den, der gerecht und mächtig ist, verdammen?
18Sollte einer zum König sagen: “Du heilloser Mann!” und zu den Fürsten: “Ihr Gottlosen!”?
19Und er sieht nicht an die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr als den Armen; denn sie sind alle seiner Hände Werk.
20Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden weggenommen nicht durch Menschenhand.
21Denn seine Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schaut alle ihre Gänge.
22Es ist keine Finsternis noch Dunkel, daß sich da möchten verbergen die Übeltäter.
23Denn er darf auf den Menschen nicht erst lange achten, daß er vor Gott ins Gericht komme.
24Er bringt die Stolzen um, ohne erst zu forschen, und stellt andere an ihre Statt:
25darum daß er kennt ihre Werke und kehrt sie um des Nachts, daß sie zerschlagen werden.
26Er straft sie ab wie die Gottlosen an einem Ort, da man es sieht:
27darum daß sie von ihm weggewichen sind und verstanden seiner Wege keinen,
28daß das Schreien der Armen mußte vor ihn kommen und er das Schreien der Elenden hörte.
29Wenn er Frieden gibt, wer will verdammen? und wenn er das Antlitz verbirgt, wer will ihn schauen unter den Völkern und Leuten allzumal?
30Denn er läßt nicht über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.
31Denn zu Gott muß man sagen: “Ich habe gebüßt, ich will nicht übel tun.
32Habe ich's nicht getroffen, so lehre du mich's besser; habe ich Unrecht gehandelt, ich will's nicht mehr tun.”
33Soll er nach deinem Sinn vergelten? Denn du verwirfst alles; du hast zu wählen, und nicht ich. Weißt du nun was, so sage an.
34Verständige Leute werden zu mir sagen und ein weiser Mann, der mir zuhört:
35“Hiob redet mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.”
36O, daß Hiob versucht würde bis ans Ende! darum daß er sich zu ungerechten Leuten kehrt.
37Denn er hat über seine Sünde noch gelästert; er treibt Spott unter uns und macht seiner Reden viel wider Gott.
Hiob 35
1Und es hob an Elihu und sprach:
2Achtest du das für Recht, daß du sprichst: “Ich bin gerechter denn Gott”?
3Denn du sprichst: “Wer gilt bei dir etwas? Was hilft es, ob ich nicht sündige?”
4Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.
5Schaue gen Himmel und siehe; und schau an die Wolken, daß sie dir zu hoch sind.
6Sündigst du, was kannst du ihm Schaden? Und ob deiner Missetaten viel ist, was kannst du ihm tun?
7Und ob du gerecht seist, was kannst du ihm geben, oder was wird er von deinen Händen nehmen?
8Einem Menschen, wie du bist, mag wohl etwas tun deine Bosheit, und einem Menschenkind deine Gerechtigkeit.
9Man schreit, daß viel Gewalt geschieht, und ruft über den Arm der Großen;
10aber man fragt nicht: “Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Lobgesänge gibt in der Nacht,
11der uns klüger macht denn das Vieh auf Erden und weiser denn die Vögel unter dem Himmel?”
12Da schreien sie über den Hochmut der Bösen, und er wird sie nicht erhören.
13Denn Gott wird das Eitle nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen.
14Nun sprichst du gar, du wirst ihn nicht sehen. Aber es ist ein Gericht vor ihm, harre sein nur!
15ob auch sein Zorn so bald nicht heimsucht und er sich's nicht annimmt, daß so viel Laster da sind.
16Darum hat Hiob seinen Mund umsonst aufgesperrt und gibt stolzes Gerede vor mit Unverstand.
Hiob 36
1Elihu redet weiter und sprach:
2Harre mir noch ein wenig, ich will dir's zeigen; denn ich habe noch von Gottes wegen etwas zu sagen.
3Ich will mein Wissen weither holen und beweisen, daß mein Schöpfer recht habe.
4Meine Reden sollen ohne Zweifel nicht falsch sein; mein Verstand soll ohne Tadel vor dir sein.
5Siehe, Gott ist mächtig, und verachtet doch niemand; er ist mächtig von Kraft des Herzens.
6Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Recht.
7Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten; sondern mit Königen auf dem Thron läßt er sie sitzen immerdar, daß sie hoch bleiben.
8Und wenn sie gefangen blieben in Stöcken und elend gebunden mit Stricken,
9so verkündigt er ihnen, was sie getan haben, und ihre Untugenden, daß sie sich überhoben,
10und öffnet ihnen das Ohr zur Zucht und sagt ihnen, daß sie sich von dem Unrechten bekehren sollen.
11Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und mit Lust leben.
12Gehorchen sie nicht, so werden sie ins Schwert fallen und vergehen in Unverstand.
13Die Heuchler werden voll Zorns; sie schreien nicht, wenn er sie gebunden hat.
14So wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den Hurern.
15Aber den Elenden wird er in seinem Elend erretten und dem Armen das Ohr öffnen in der Trübsal.
16Und auch dich lockt er aus dem Rachen der Angst in weiten Raum, da keine Bedrängnis mehr ist; und an deinem Tische, voll des Guten, wirst du Ruhe haben.
17Du aber machst die Sache der Gottlosen gut, daß ihre Sache und ihr Recht erhalten wird.
18Siehe zu, daß nicht vielleicht Zorn dich verlocke zum Hohn, oder die Größe des Lösegelds dich verleite.
19Meinst du, daß er deine Gewalt achte oder Gold oder irgend eine Stärke oder Vermögen?
20Du darfst der Nacht nicht begehren, welche Völker wegnimmt von ihrer Stätte.
21Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, wie du denn vor Elend angefangen hast.
22Siehe Gott ist zu hoch in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?
23Wer will ihm weisen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: “Du tust Unrecht?”
24Gedenke daß du sein Werk erhebest, davon die Leute singen.
25Denn alle Menschen sehen es; die Leute schauen's von ferne.
26Siehe Gott ist groß und unbekannt; seiner Jahre Zahl kann niemand erforschen.
27Er macht das Wasser zu kleinen Tropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen,
28daß die Wolken fließen und triefen sehr auf die Menschen.
29Wenn er sich vornimmt die Wolken auszubreiten wie sein hoch Gezelt,
30siehe, so breitet er aus sein Licht über dieselben und bedeckt alle Enden des Meeres.
31Denn damit schreckt er die Leute und gibt doch Speise die Fülle.
32Er deckt den Blitz wie mit Händen und heißt ihn doch wieder kommen.
33Davon zeugt sein Geselle, des Donners Zorn in den Wolken.
Übersetzung: Lutherbibel 1912